Bosnia Rally 2019

26. Dezember 1979 in Paris. Dies war der Startschuss der Paris-Dakar Rally und seither gilt Sie als härteste Rally der Welt. Lange Etappen, anspruchsvolle Strecken und zahlreiche Herausforderungen in der Navigation. Bis heute wird dort und auch bei zahlreichen anderen Rallys per klassischem Roadbook navigiert.

Das Roadbook ist vereinfacht ausgedrückt eine Sammlung mit Aufzeichnungen über eine Strecke, die die Organisation eines Events erstellt und welche die Teilnehmer dann abfahren. Dokumentiert sind hier vor allem Ereignisse an der Strecke, wie z.B. Verlauf und Länge von Abschnitten, Kurvenradien und -verlauf, Hindernisse und vieles mehr. Als Fahrer versucht man jedem einzelnen Punkt bis ins Ziel zu folgen. Wenn man einen dieser Punkte auf dem Weg verpasst, bedeutet dies häufig, man fährt den letzten bekannten (und vermeintlich korrekten) Punkt an und stellt die eigenen Navigationsfähigkeiten erneut auf den Prüfstand. Bei einer Fahrt im Truck oder Auto übernimmt die Navigation der Co-Pilot und ruft dem Fahrer alle relevanten Informationen zu, bei der Fahrt auf dem Motorrad jedoch ist der Fahrer auch gleichzeitig Navigator.

Aber wo kann man dies heutzutage noch erlernen? Gesucht, gefunden. Ab geht’s nach Bosnien zur Bosnia Rally 2019, dem größten Roadbook Trainings Camp!

Vom 22. bis 27.07.2019 fand die Rally, veranstaltet von Stefan Rosner, in Kupres, Bosnien statt. Gefahren wurde an vier Tagen zzgl. einem Tag An- und Abreise.

Vorbereitung zur Rally:

Sobald die Entscheidung gefallen ist, sollte man sich idealerweise direkt anmelden um ggf. Early Bird Tarife zu nutzen und einen Teil der Kosten bei der Nenngebühr zu sparen. Im Falle Bosnia Rally kostete die Teilnahme 500€ / Pilot (600€ nach Early Bird Phase), hierfür erhält man einen Navigations-Theorie-Kurs, ein gigantisches Orga- und Medical-Team, Zugang zum Fahrerlager und natürlich auch die über Monate hinweg geplanten Strecken für die vier Etappen der Rally.

Offroad Erfahrung ist verpflichtend, denn das ist nichts für Greenhorns! Nach diversen Trainings bei den Damen und Herren in Hechlingen oder Meltewitz ging ich davon aus, dies reicht für eine solche Rally. Tut es grundsätzlich auch, aber man sollte sich im Klaren darüber sein, dass man zusätzlich ausreichend Kondition mitbringen sollte. Wir sprechen bei einer Rally nicht von 100km in einem Enduropark mit regelmäßigen Pausen, sondern im Falle Bosnia Rally von über 1.200km in vier Tagen, teils 10-12 Stunden auf dem Motorrad. Später aber mehr zur Quälerei auf dem Bike.

Meine BMW benötigte natürlich auch einige Anpassungen, das wichtigste zur Roadbook Rally ist natürlich das Roadbook. Man kann sich dies mit allem Zubehör für 300€ auf dem Event leihen oder wie ich verrückt genug sein und sich direkt alle benötigten Teile kaufen, nach 4-5 Rallys hat man die Kosten so wieder herein gefahren.

Benötigt wird ein Roadbook-Halter, ein Tripmeter (=Wegstreckenzähler) und ein entsprechender Roadbook-Schalter am Lenker um diese beiden Geräte auch bedienen zu können. Nichts ist unpraktischer, als bei voller Fahrt im Gelände die Hände vom Lenker nehmen zu müssen um eines der beiden Geräte zu bedienen. Beim Roadbook habe ich mich für die Variante von Aurora Rally Equipment aus Griechenland entschieden. Nach vielen Gesprächen auf Motorrad-Treffen wurde mir klar, dies scheint die durchdachteste Form eines Roadbooks zu sein. Unzerstörbar, wasserdicht und inklusive genialer Ingenieurkunst das Innenleben entfernen zu können, um sein Roadbook entspannt im trockenen Zelt oder warmen Hotelbett auffädeln zu können, statt in der prallen Sonne oder im Regen sich damit beschäftigen zu müssen. Die neidischen Blicke mit diesem Roadbook waren mir sicher, denn das Aurora MK1 bot einiges an Gesprächsstoff. Der Schalter zur Bedienung von Roadbook und Tripmeter habe ich ebenfalls von dort bezogen. Beim Tripmeter setze ich auf ein deutsches Produkt, die Firma Rally Navigation Solutions (RNS) bietet in der neuesten Generation ein Gerät an, welches sowohl per Radsensor arbeitet und auch GPS-Kompatibel ist. Vorteil hier: Ich kann mir z.B. die Wegstrecke und CAP (=Kompass Richtung in Grad) kombiniert anzeigen und muss nicht, wie viele andere Fahrer, zwei Tripmeter auf meinem Motorrad installieren. Roadbook und Tripmeter zusammen werden auf einer Halteplatte (bei mir auch wieder von Aurora) montiert, entweder an einer noch freien Querstange im Cockpit oder eben am Lenker. Man sollte bedenken, dass jedes zusätzliche Gewicht am Lenker nicht ideal ist für die Kontrolle des Motorrades, aber zu Übungszwecken war dies absolut in Ordnung.

Das Fahren per Roadbook ist nicht verpflichtend auf der Bosnia Rally.  Grundsätzlich ist dies zwar der Anspruch, aber Fahrer können auch per GPS der angezeigten Linie auf Ihrem Garmin und Co. hinterher fahren. In Summe gab es rund 75 Roadbook-Fahrer und 35 GPS-Fahrer, die Tendenz ist eindeutig.

An meiner BMW selbst habe ich sonst kaum Änderungen vorgenommen, die Lenkerposition inkl. Kupplungs- und Bremshebel sollte man natürlich in entsprechende Position bringen. Extra für die Rally habe ich von Manuel (SWT-Sports) Fußrasten-Prototypen erhalten, direkt vor Start montiert und was soll ich sagen, genial! Meine alten Rasten waren schon groß, aber die Neuen sind nun nochmal knapp 80% größer und können als wahre Trittbretter bezeichnet werden. 🙂

Bei solch langen Etappen, Großteils davon im Stehen, sind derart breite Rally-Rasten durchaus sinnvoll und sorgen für einen sicheren und deutlich entspannteren Stand. In ähnlicher Größe verbaut Sie auch KTM auf den Rally-Motorrädern – gibt es jedoch nicht als Massenware und nur auf Anfrage.

Der Anreise Tag:

Nach rund 1.100 Kilometern Anfahrt, verteilt auf 3 Tage, kam ich recht entspannt gegen Montag Mittag in Kupres, Bosnien im Fahrerlager/Bivouac an. Die geführte Reisegruppe rund um Manuel Schad (meine Mitstreiter bei diesem Trip) waren auch schon vor Ort. Sofort bei Ankunft kam ein großes Gemeinschaftsgefühl auf, über 100 Motorräder versammelten sich auf dem Gelände, alle mit dem gleichen Ziel: Navigieren üben, ins Ziel kommen und Spaß dabei haben.

Erster Punkt der Tagesordnung war das Wechseln meiner Reifen, vorne also runter mit dem Karoo 3 und drauf mit dem Metzeler Unicross. Hinten habe ich einen neuen Karoo 3 montiert (gibt ja nichts in 17 Zoll), jedoch die breitere Version, statt 130 nun 140/80-17.

Nach meinem Checkin erhielt ich einen GPS Tracker. Jeder Fahrer musste diesen auf dem Motorrad mitführen, bei langen Etappen im weitläufigen Hinterland Bosniens eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ein unbelegter Anschluss im Cockpit ist hierfür definitiv hilfreich, aber daran hatte ich natürlich nicht gedacht. Ich klemmte den Tracker daher einfach an das Roadbook und habe mir Masse vom Licht genommen. Anschließend ging es weiter zur technischen Abnahme, hier wurde geprüft, ob das Motorrad über Licht verfügt, der Tracker ordnungsgemäß installiert worden ist (muss direkt an der Batterie und nicht der Zündung hängen) und auch ein Erste-Hilfe Set ist verpflichtend mitzuführen.

Am Abend ging es mit einer Roadbook Schulung weiter, hier wurde das Roadbook für den ersten Fahrtag ausgegeben und ausführlich besprochen. Symbole, Markierung, besondere Punkte auf der Etappe, etc., ein langer Abend stand bevor, denn danach ging es ab an die Hausaufgaben. Jeder Fahrer präpariert sein Roadbook am Besten so, wie er es selbst während der Fahrt am besten war nimmt. In meinem Falle habe ich die gefährlicheren Stellen Rot, Wegpunkte Grün und jeden Richtungspfeil in Gelb markiert. Für mich hat dies prima funktioniert, andere haben hier entweder ganze Wissenschaften daraus gemacht oder aber das Roadbook unmarkiert auf dem Motorrad installiert. Gegen Mitternacht ging es ab ins Bett, denn am nächsten Tag ging es nun endlich los und die Vorfreude machte sich breit!

Stage 1: 271km – 249 Wegpunkte

Gestartet sind wir als Gruppe, in Summe zehn Enduroboxer Kollegen. Ganz vorn startete Manuel (ebenfalls Roadbook), dazwischen 8 Mitstreiter, die dem GPS folgten und als Schlusslicht wieder ich mittels klassischer Navigation.

Direkt nach dem Start bogen wir auf den ersten von vier Light-Tracks des Fahrtages ab. Die Organisation hatte für große Adventure Motorräder (Dickschiffe) diese sogenannten Light-Tracks eingebaut. Teilweise zu enge oder sehr schwierige Passagen, die eher nur für leichte Enduros gedacht waren, können (und sollten teilweise auch) umfahren werden.

Bei einem großen Krater sind wir schlussendlich wieder auf die eigentliche Strecke zurück und nach obligatorischem Foto ging es auch direkt weiter. Noch 230km vor uns, wir mussten Strecke machen!

Die Tour führte uns von Kupres aus nach Tomislavgrad, vorbei an dem wunderschönen See Buško Blato nach Livno zurück Richtung Kupres. Es gab wilde Pferde zu sehen und nach ein paar ersten Eindrücken der Landschaft wurde mir hier schon klar: Bosnien ist eine Wucht – derart weitläufig und vielfältig, wunderschön.

In einer kleineren Gruppe haben wir uns auch einmal die schwierigen Passagen angesehen und sind nicht dem Light-Track gefolgt. Es ging durch steinige und zu dieser Jahreszeit trockene Flussbetter, technisch etwas anspruchsvoller aber definitiv machbar, auch mit den großen Bikes.

Langsam jedoch kam ich aus dem Tritt, das Fahren in einer derart langen Kolonne war nicht meins. Mehr oder weniger musste ich schließlich die Navigation per Roadbook vernachlässigen und für mein Empfinden deutlich zu schnell fahren um an der flotten Truppe dran bleiben zu können, das unvermeidliche Los als Letzter der Gruppe. Der Tag ging zu Ende und meine Laune war nicht unbedingt auf dem Höhepunkt. Ein wenig anders hatte ich mir das nun doch vorgestellt. Lieber brauche ich für die Etappe etwas mehr Zeit, fahre dafür aber mein eigenes Tempo und komme mit eigener Kraft und eigenen Navigationsfähigkeiten ins Ziel.

Gegen 18 Uhr kamen wir nach rund 10 Stunden auf dem Motorrad im Ziel an, die Hände taten bereits weh und die Knochen waren müde. Und das an Tag 1? Das hätte ich nicht erwartet! Darauf hin habe ich mich nach Zieleinlauf von meiner Gruppe fahrtechnisch für die nächsten Tage getrennt. Ich wollte dort niemand aufhalten und neun Gleichgesinnte zu bitten langsamer zu fahren… sicher nicht.

Weiter ging es mit Abendessen, gefolgt von anschließendem Fahrerbriefing. Dies stand jeden Abend um 20:30 Uhr auf unserer Agenda und dauerte grob eine Stunde. Auch hier wurde wieder der nächste Fahrtag durchgesprochen gefolgt von der täglichen Routine: Roadbook präparieren, Motorrad checken, eventuell Kleinigkeiten reparieren, den nächsten Tag gründlich vorbereiten.

Stage 2: 396km – 222 Wegpunkte

Die 400km Marathon-Etappe stand an! 5:30 Uhr aufstehen, kein Frühstück (es gab ein Lunchpaket – nur gut, dass für so etwas kein Platz auf meinem Motorrad war) und um 7 Uhr mussten wir bereits an der Startlinie stehen. Am Abend zuvor hatte ich Maja kennen gelernt, auch für Sie war dies die erste Roadbook-Rally. Nachdem ich Ihr mein Leid des Tages erzählt hatte, bot Sie mir an, sich Ihrer Gruppe anzuschließen. Zwei erfahrene Rally-Piloten und zwei Anfänger, perfekt. Wir wechselten den Vormittag ab, mal fuhr Sie vorne und mal ich. Die Geschwindigkeit war genau richtig und so kamen wir gut vorwärts.

Gegen Mittag fuhren wir in den Una Nationalpark ein, ein Traum für jeden Motorrad Fahrer. Das Gebiet wurde 2008 rund um die Flüsse Una, Krka und Unac gezurrt und bildet Bosniens größten Nationalpark. Niemals dürfte man in solchen Schutzgebieten in Deutschland legal Motorrad fahren, in Bosnien im Rahmen dieser Rally jedoch kein Problem.

Kurz nach der Einfahrt in dieses riesige Gebiet stoppten wir, eine Beta lag im Graben und der Fahrer daneben. Maja kümmerte sich um die Erste Hilfe und da wir im absoluten Hinterland ohne jeglichen Handyempfang unterwegs waren fuhr ich vorsichtig knapp 5 Kilometer gegen die Fahrtrichtung bis ich ich Georg (GS-Kutscha) telefonisch erreichen konnte. Er fuhr die Rally als Medic auf seiner Maschine mit und hatte genügend zur Erstversorgung mit an Bord. So war er schnell vor Ort und konnte dem doch sehr benommenen Fahrer helfen. Er entschied, dass eine Weiterfahrt ausgeschlossen ist und ich wurde beauftragt die Organisation zu verständigen, der 4×4 Jeep soll sich zum Abtransport auf den Weg machen.

Um das Motorrad kümmerte sich später der Organisator Stefan persönlich. Der Fahrer der Beta ist mittlerweile wieder auf dem Wege der Besserung, die Rally jedoch war für Ihn gelaufen. Da wurde mir nochmals klar, dass ich hier nichts riskieren musste. Bosnia Rally ist kein Rennen, sondern ein Trainingscamp und vor allem bei einer Fahrt alleine durch die Prärie sollte ich fahren um gesund und munter im Ziel anzukommen, zu gewinnen gibt es hier nichts. Zudem hat man doch gesehen, dass es im Extremfall etwas dauern kann, bis erste Hilfe wirklich vor Ort ist. Unsere kleine Gruppe trennte sich hier und ich fuhr alleine die Marathon-Etappe zu Ende.

Im Ziel angekommen, bestens gelaunt, auch wenn die Knochen noch etwas müder als zuvor waren, kümmerte ich mich wieder um Motorrad und die sonstige Vorbereitung des dritten Fahrtages. Beim Fahrerbriefing hörten wir dann eine Story, die mich nur um so mehr aufheiterte. Bei der Fahrt im Grenzgebiet zu Kroatien hat sich eine Gruppe von drei Fahrern über die grüne Grenze navigiert und wurde dann jedoch bei Einreise zurück nicht mehr durchgelassen. Die Kollegen hatten tatsächlich keinerlei Papiere dabei und jemand aus dem Camp musste sich auf den Weg zur Grenze machen um die Fahrer abzuholen. Merke: Habe im Ausland immer deine Papiere dabei. Die Gruppe hat sich zurück im Camp nicht zu erkennen gegeben, ich bin nur froh, dass mir das nicht passiert ist und am Ende die drei Fahrer wieder weiter bei der Rally mitfahren konnten. 🙂

 

Stage 3: 350km – 295 Wegpunkte

Am dritten Fahrtag ging es von Kupres aus Richtung Mostar. Auf dem Weg dort hin gab es eine schwierige Passage, die dicken Motorräder sollten definitiv den Light-Track nehmen. Wollte ich eigentlich auch, leider war der Track mittlerweile versperrt und so traf ich weitere Dickschiff-Fahrer und wir beschlossen unsere Bikes als Team durch zu bringen. Das Roadbook kündigte die Stelle nur mit zwei Ausrufezeichen (Gefahr) und dem Hinweis „find a way around“ an. Am Ende jedoch war es mit vereinten Kräften spielend machbar, ein enger grobfelsiger Weg führte um das Hindernis herum. Mein Boxermotor war das eigentliche Hindernis, denn so breit waren die Trails dort nicht. Am Ende ging es dennoch, wir hatten es gemeistert, waren stolz auf uns und weiter ging die wilde Fahrt.

Mostar, die größte Stadt der Herzigowina war nun mein Ziel. Die Lage der Stadt ist jedoch wie in einem Kessel und die Hitze staut sich. An diesem Tag wurden dort 44 Grad gemessen, daher entschied ich die Stadt links liegen zu lassen und nicht bei solchen Temperaturen durch eine Touristenstadt zu kurven und kürzte über einen angebotenen Light-Track ab. Ich verpasste dadurch aber auch den großen Flugplatz Hangar Mostars, bereut habe ich die Abkürzung jedoch nicht und war entsprechend etwas früher zurück im Bivouac. Am Ende war ich ja auch zum Motorrad fahren in Bosnien und nicht für Sightseeing in voller Motorrad-Montur bei einer solchen Bullenhitze.

Für mich persönlich war dies der schönste Tag der Rally, die Strecken waren ein absoluter Traum und ich musste nicht allzu viele lange und felsige Passagen bergauf und bergab fahren. Alles fühlte sich ein wenig flüssiger an im Vergleich zu den beiden Vortagen.

Stage 4: 199km – 174 Wegpunkte

Eine kurze letzte Etappe stand bevor, „spätestens um 15 Uhr sind alle zurück, eventuell regnet es leicht“ hieß es noch im vorabendlichen Briefing. Alles startete in einem riesigen Konvoi zum Startpunkt – ein irres Erlebnis, welch Gemeinschaftsgefühl hier plötzlich aufkommt.

Gleich zum Start, mitten im Wald, versuchte ich mich an einer Abkürzung quer über einen Fluss und bin schlussendlich jedoch gescheitert. Als Trostpreis konnte ich ein paar schöne Fotos machen, musste aber meinen Weg zurück zur eigentlichen Strecke finden.

Die Verkabelung meines Roadbooks hatte sich plötzlich nun jedoch gelöst und ich drehte das Papier über die seitlichen Räder am RB-Halter weiter per Hand. Nur für kurze Zeit, denn durch zu viel Spannung (scheinbar) riss mein Roadbook in der Mitte durch. Bis zur einer alten, angeblich heilenden Quelle bin ich anderen Fahrern blind gefolgt und kümmerte mich dann dort um mein Roadbook und die Verkabelung. Duct-Tape sei Dank, meine Reise konnte weiter gehen.

Ich arbeitete mich langsam die Berge herauf und zu Mittag kamen wir in einem alten muslimischen Dorf an. Kein fließend Wasser, kein Strom, aber eine unbeschreibliche Kulisse und leckere Spezialitäten direkt vom offenen Feuer stärkten die gesamte Truppe für den Rest des Tages.

Es wurde sehr technisch und die Serpentinen führten weiter in die Berge, teils sehr grobfelsig und technisch anspruchsvoll. Die Hobby-Fahrer mit den kleinen Enduros waren hier auch nicht schneller als ich und jeder beißte sich durch bis zur Spitze. Gefolgt von den üblichen Strapazen bergab, dies ist wirklich nicht meine Paradedisziplin. Vermutlich stehe ich falsch auf dem Motorrad, denn die ganze Zeit kriege ich die Schläge voll auf die Gelenke und die Hände werden in kürzester Zeit taub. Bei kurzen Etappen ist dies kein Problem, bei 15-20km Berg ab jedoch ist dies sehr anstrengend.

Im letzten Drittel gewitterte es plötzlich stark während ein weiterer Pfad durch die Berge führte. Recht nah schlugen links und rechts zwei Blitze ein, da drehte ich um und suchte Unterschlupf unter dem Vordach eines leerstehenden Hauses. Als der Regen zumindest etwas nachgelassen hatte, ging es weiter und ich fuhr eine Strecke parallel zum eigentlichen Track bis ins Ziel.

Nach knapp 200km war Sie da, die Ziellinie. Gegen 16:00 Uhr war ich glücklich und geschafft zugleich. Keine Stürze und es ist bis auf einen abvibrierten Blinker alles heil geblieben, ich bin stolz wie Oskar!

Am Abend hatte Stefan Rosner noch für den passenden Ausklang mit einem Festessen gesorgt. Alle Fahrer feierten gemeinsam bis in die Nacht hinein und sprachen über Ihre Erlebnisse der letzten Tage.

Die Fotografen Bastian Benjamin Brüsecke, Reinhold Wenzel und Team zeigten am Abend die Fotos und ich bin sehr gespannt, welche Fahraufnahmen von mir hier entstanden sind, diese kriege ich sicher in den nächsten Wochen. Ein paar Bilder habe ich hier eingebaut (am Wasserzeichen zu erkennen), für weitere Fotos schaut am besten einfach unter Bosnia Rally auf Facebook vorbei.

Rally vorbei, und nun? Inklusive Heimreise fuhr ich in 9 Tagen ca. 3.600km und es steht für mich fest, das war nicht die letzte Rally!

Am meisten hat mich der Zusammenhalt beeindruckt unter den Fahrern. Man hilft einander und bei einer Panne war es selbstverständlich, dass angehalten und mit Werkzeug, Material und Wissen versucht wird zu helfen. Gleichzeitig half auch die Erfahrung von vielen Teilnehmern durch das Event, viele Fahrer nutzen die Bosnia Rally jährlich als Vorbereitung für andere größere Wettbewerbe.

Wenn man nun auch noch ein Ziel hat, zum Beispiel die Teilnahme am Gibraltar Race, dann zeigt einem die Bosnia Rally bereits seine eigenen Grenzen auf und durch man hat die Möglichkeit sich langsam außerhalb seines Komfortbereiches zu bewegen und besser zu werden. Wenn es zeitlich klappt, möchte ich definitiv 2020 erneut nach Bosnien und weiter feilen an Fahrtechnik und Navigation.

 

Ausrüstung:

Die Rally war der erste richtige Härtetest für meine Ausrüstung. Die Goretex Membran in meinen Sachen hielt definitiv dicht und mich dankenswerterweise trocken. Obenrum: Klim Krios Helm mit Viper Pro Brille, Carlsbad Jacke (zur An- und Abreise) ansonsten Jersey + Fox Titan Protektorenweste, als Handschuhe waren der Dakar Pro und für die Rally selbst der Mojave Pro (luftig + bulletproof) im Einsatz. Untenrum: Klim Carlsbad Hose und Sidi GTX 2.0 Boots (beides 100% wasserdicht)

 

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